Ein Treffen

An einem Wochenende hatte ich eine Einladung zu einer Geburtstagsparty. Ich freute mich sehr, auf ein wenig Spass und Unterhaltung. Zusammen mit meiner Familie fuhren wir in ein wunderschönes Lokal mit einer fantastischen Aussicht. Sam, unser Hund, zog die Blicke auf sich und so kamen wir nach kurzer Zeit mit vielen verschiedenen Gästen ins Gespräch. Wir sprachen, na ja, was machst du usw. Ihr kennt das ja. Einem Gast erzählte ich, dass ich vor einiger Zeit meine Arbeitsstelle als Personalfachfrau aufgegeben hatte und nun mitten in einem Vollzeitstudium zur Sozialen Arbeit stecke. Er fand dies spannend und erzählte mir, dass er momentan in einer tiefen Lebenskrise sei, seine Arbeitsstelle verloren habe und an einem Punkt sei, wo er nicht mehr weiter wisse. Das habe er noch nie so erlebt! Eigentlich, dachte ich, möchte ich doch nur einen schönen, lockeren Abend an einer Party verbringen und einmal nicht über Probleme anderer Menschen sprechen. Ich bin jedoch sicher, dass sich Menschen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort treffen! Sofort merkte ich, wie er sich gewohnt war erfolgreich zu sein, nun aber nicht mit seiner Situation umzugehen wusste. Er erzählte mir in einem Tempo wo es mir fast schwindlig wurde, dass er sein ganzes Leben intensiv seiner Arbeit gewidmet habe und nun nichts mehr mit sich anzufangen wisse. Er stellte sich Fragen wie: "Wer bin ich? Was macht mir Spass und woher schöpfe ich meine Kraft?" Weiter erzählte er mir, dass am schlimmsten seine Existenzangst sei! Er habe eine Familie, ein Haus und grosse monatliche Fixkosten. Auf keinen Fall wolle er aber mit seinen Ängsten seine Frau belasten. Es kamen noch viele Fragen hinzu und ich merkte, dass ich ihm an diesem Abend unmöglich gerecht werden konnte.

In dankbarer Erinnerung an einen Klienten, den ich ein kleines Stück seines Weges begleiten durfte und von welchem ich viel lernen durfte.