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  • michaelaschaad

Im Spital

Ich liege im Spital und neben mir liegt eine Frau deren Seele ich schon sehr lange kenne und dies, obwohl ich sie erst seid Heute physisch kenne. Ich bin ruhig und tief entspannt und geniesse diesen Moment. Mein Herz fühlt sich mit ihrem Herz verbunden. Ganz sicher und gelöst bewege ich mich in ihrer Gegenwart und sie sich in meiner. Wir sind beide überrascht und ich weiss, sie muss uns bald verlassen. Sie wirkt gefasst und ich weiss genau, sie fühlt sich einsam. Innerhalb von diesen vier Tagen im Spital ist sie mir so nah, wie kaum jemand sonst und ich möchte sie eigentlich nicht gehen lassen. Die beiden Gefühle loslassen und festhalten stehen ganz präsent an meiner Seite. Der Kopf sagt mir loslassen und mein Herz sagt: "Bleib noch ein wenig bei uns. Wir hatten doch so wenig Zeit miteinander in diesem Leben!" Es kommt mir der Gedanke, ob ich sie zu mir nach Hause holen soll, damit sie in Frieden und Geborgenheit sterben darf. Seltsam, nach so kurzer Zeit, in so einem intimen Moment bei ihr sein zu wollen. Meine Gefühle purzeln durcheinander und ich kann sie nicht ordnen! Wer weiss, vielleicht kann ich sie nie zuordnen, dieses Gefühl von Nähe bei ihr. Es spielt auch gar keine Rolle! Jetzt bin ich 2000 km entfernt von ihr in den Ferien und sie ist im Hospiz. Ich hoffe, sie wartet auf mich! Mein Kopf sagt mir wieder, lass los. Ab und zu schickt sie mir eine Sprachnachricht und ich höre wie ihre Kraft aus der Stimme schwindet. Dann schicke ich ihr ein Foto von Mohnblumen. Sie freut sich und schreibt, es seien ihre Lieblingsblumen. Immer wieder diese Nähe ohne es zu wollen. Ich bin glücklich, dass ich sie noch kennen lernen durfte, wenn auch nur für so kurze Zeit!

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